Hinweise für Maultrommelbauer: Worauf es beim Instrument ankommt
Einführung
Dieser Text enthält grundsätzliche Empfehlungen für den Maultrommelbau. Es geht um das angestrebte Ergebnis – sowohl um die konkrete Konstruktion als auch um die Möglichkeiten beim Spielen. Fertigungstechniken, also etwa die Hand, in der man den Hammer hält, oder die passende Schleifkörnung, werden hier nicht behandelt. Das sind persönliche Entscheidungen, die von Gewohnheiten und vorhandenen Möglichkeiten abhängen.
Die Spalte
Die Spalte zwischen Zunge und Rahmenschenkeln müssen möglichst klein und vollkommen gleichmäßig sein.
Ein einziger einfacher Satz, den heute fast alle Instrumentenbauer kennen. In der Praxis verliert man sich jedoch häufig in zahllosen Einzelheiten des Herstellungsprozesses, in äußerlichen Konstruktionsmerkmalen und besonders oft im Rahmendesign. Dabei gehört dieser Punkt zu den wichtigsten überhaupt. Als Entschuldigung können höchstens die schwierige Umsetzung und fehlende konkrete Zahlen gelten. Vielen erscheinen 0,5 mm bereits sehr wenig – und das sind sie auch, verglichen mit dem Spalt zwischen Straßenbahntüren.
a) Die Spaltbreite beeinflusst die erreichbare Lautstärke, damit die Leichtigkeit der Klangerzeugung und außerdem die Breite des Spektrums. Je kleiner die Spalte, desto lauter und obertonreicher der Klang. Große Spalte machen ihn leiser und dumpfer: Im Spektrum bleiben vor allem tiefe Anteile übrig. Bei tieferen Instrumenten sind die Anforderungen geringer. Dort ist der Unterschied zwischen 20 und 100 Mikrometern kaum zu hören; bei einer hohen Maultrommel ist er enorm.
Viele Anfänger im Instrumentenbau sagen, kleine Spalte seien unmöglich, weil die Maultrommel dann klirre. Lernen Sie, das Instrument sorgfältig zu halten, und vermitteln Sie das auch anderen. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten.
b) Gleichmäßige Spalte und vollkommen parallele Kanten sorgen zusammen mit Material und Geometrie dafür, dass keine einzelnen Nebengeräusche entstehen und der Klang insgesamt musikalisch bleibt. Entscheidend ist, wie harmonisch seine Bestandteile zusammenpassen und wie gleichmäßig laut sie sind. Davon hängt die Vielseitigkeit des Instruments ab. Man kann zwar einen beliebigen Gegenstand mit noch so scheußlichem Geräusch in ein passendes Stück einbauen. Das ist aber eher ein Sonderfall für Musiker, die genau wissen, welchen Klang sie wofür benötigen. Wer Musik spielen möchte, ohne für jedes Stück das Instrument zu wechseln, muss verschiedene Töne beziehungsweise Obertöne möglichst gleichmäßig hervorbringen können. Der erste Schritt dazu sind geometrisch gleichmäßige Spalte. Bei fast allen heutigen Maultrommeln fehlt es daran noch. Die Folge ist ein Schnarren, das einzelne Obertöne verschluckt oder verdeckt und dem Klang einen mechanischen Charakter gibt. Am leichtesten „misst“ man dies mit dem Gehör: Wo es schnarrt, gibt es eine Abweichung.
Im Folgenden kommen noch viele technische Einzelheiten. Damit sich die Aufmerksamkeit nicht auf all die Buchstaben verteilt, sei es wiederholt: Die Spalte sind entscheidend. Wer sie nicht mit geradezu übermenschlicher Präzision herstellen lernt, kann sich das Weiterlesen eigentlich sparen. ;)
Das Zungenmaterial
Die Stahlsorte und ihre Behandlung sind die zweite entscheidende Grundlage sämtlicher akustischer Eigenschaften. Die Entwicklung wird dadurch erschwert, dass das Material mit Zungengeometrie und Tonhöhe zusammenwirkt. Ein für eine lange Zunge geeigneter Stahl kann bei einer kurzen schlecht klingen. Deshalb gibt es weder fertige Rezepte noch einfache Antworten auf die Frage „Welchen Stahl soll ich nehmen?“. Die möglichen Kombinationen sind nahezu unbegrenzt. Probieren Sie möglichst viele Varianten und geben Sie sich mit Erreichtem nicht zufrieden.
Die Zungengeometrie
Länge, Breite und Dicke sowie der Verlauf von Breite und Dicke über die Länge bestimmen gemeinsam das Frequenzgleichgewicht, die Gleichmäßigkeit der Obertöne und die musikalischen Eigenschaften.
Der schwingende Arbeitsbereich: Die Lautstärke hängt unter anderem davon ab, wie schnell die Zunge an den Rahmenschenkeln vorbeiläuft. Diese Geschwindigkeit ist an der Spitze am höchsten; nahe der Befestigung bewegt sich die Zunge kaum. Deshalb verdient der letzte Abschnitt der Spalte die größte Aufmerksamkeit. Er liegt außerdem als einziger unmittelbar vor dem Resonator, dem Mund. Man muss folglich nicht dieselbe Zeit und Mühe auf die gesamte Länge verwenden: Ein großer Teil davon hat auf den Klang weniger Einfluss.
Das abgewinkelte Zungenende wird von fast allen angehenden Instrumentenbauern lediglich als „Haken zum Zupfen“ angesehen. Das ist ein schwerwiegender Fehler. Es hat zwei Funktionen: Neben dem offensichtlichen Anschlag, auf dessen Bedeutung wir gleich eingehen, kann es die Schwingungen des Arbeitsbereichs ebenso stark beeinflussen wie dieser selbst.
Ist das Ende lang und weich, beginnt es beim Anschlag selbst zu schwingen und verändert die Bewegung des Hauptabschnitts. Es fügt fremde Frequenzen hinzu und kann eine ideal gleichmäßige Verteilung in ein Spektrum mit starken Einbrüchen und Überhöhungen verwandeln. Länge, Gewicht und Steifigkeit wirken dabei wie beim Hauptteil und bestimmen Charakter und Stärke des Nebentons. Diesen Einfluss brauchen wir nicht. Deshalb sollte man ihn möglichst weit reduzieren und das abgewinkelte Ende kürzer und steifer ausführen. Selbst ein starrer Endabschnitt kann allerdings auf einem dünnen, weichen Hauptteil schwingen. Idealerweise erhöht man daher die Steifigkeit des gesamten Biegebereichs. Der einfachste Weg ist eine veränderliche Zungendicke: dünn an der Wurzel und dicker zum Knick hin. Die übrige Geometrie muss an die veränderte Steifigkeit angepasst werden. Je nach Dickenverlauf verändert sich die Lautstärkeverteilung der Obertöne; so lassen sich farbige, aber musikalisch störende Nebentöne abschwächen.
Der zweite Aspekt ist rein mechanisch: die Bequemlichkeit des Anschlags. Er ist eine zentrale Spielbewegung. Ohne ihn entsteht kein Klang, und der Spieler hat ständig damit zu tun. Ein steifes Ende verbessert neben dem Klang auch die Wiederholbarkeit der Bewegung. Wackelt es, fallen die Anschläge mal stärker, mal schwächer aus. Das verändert die Lautstärke, begrenzt das Tempo, ist unbequem und lässt kein Vertrauen in das Instrument entstehen. Dadurch bleibt man bei den einfachsten Bewegungen. Die Öse sollte sich auf einem sauberen Kreisbogen bewegen und nicht zusätzlich kleine Zickzackbewegungen ausführen. Erst dann lassen sich Dynamik und Klangerzeugung präzise kontrollieren.
Der Rahmen
Meist erhält dieser Teil die größte Aufmerksamkeit: Er wird verehrt und gepflegt, und für fast alle Spieler sowie viele Instrumentenbauer ist er geradezu gleichbedeutend mit der Maultrommel. Jedes Jahr erscheinen neue „Modelle“, bei denen dieselbe Zunge nur einen anderen Halter bekommt. Material, Farbe, Form, Ornamente, Anbauten und selbst Ständer und Etuis kennen dabei keine Grenzen. Das Instrument bleibt aber im Wesentlichen dasselbe: Der Klang hängt praktisch nur von der Zunge und zwei gedachten Linien ab, den Innenkanten der Rahmenschenkel. Diese gestalterische Arbeit ist interessant und wäre völlig nachvollziehbar, wenn die Spieleigenschaften bereits vollkommen wären. Solche Instrumente gibt es bislang jedoch nicht, und nur wenige Prozent der Instrumentenbauer bewegen sich überhaupt in diese Richtung.
Bei einer Maultrommel als Musikinstrument bleibt für den Rahmen vor allem eine praktische Aufgabe: Er muss sich bequem halten lassen. Darauf sollte die Aufmerksamkeit zuerst liegen, erst danach auf gestalterischen Feinheiten. Jedenfalls dann, wenn ein Instrument entstehen soll und kein klingendes Schmuckstück für gelegentliche Vorführungen vor Freunden an Silvester. Ein Instrument ist für regelmäßigen, langen Gebrauch gedacht; Ergonomie ist ebenso wichtig wie Klang. Ein aufwendiger Rahmen mit kantigen Schnörkeln kann in einer Kunstausstellung oder Sammlung gut aufgehoben sein. Erschwert er aber auch nur ein wenig die ruhige, entspannte Haltung oder braucht man für den Transport einen eigenen Wagen, sollte man über den Zweck dieses „Instruments“ nachdenken.
Das Instrument prüfen
Testen Sie den Klang unbedingt in verschiedenen Umgebungen. Seine Wahrnehmung hängt stark von der Raumakustik ab. Jeder Raum klingt anders; ein Ortswechsel ist eine einfache Möglichkeit, verschiedene Spektralbereiche bewusst wahrzunehmen. Schon in einem Raum kann man unmittelbar vor einer ebenen Fläche spielen, etwa 20 cm vor einem Fenster oder Monitor, dann in der Raummitte, in einer weich ausgestatteten Ecke oder im Bad. Sehr empfehlenswert ist außerdem ein Versuch im Freien, wo reflektierter Schall weitgehend entfällt.
Variieren Sie auch die Lautstärke vom leisesten bis zum lautesten Spiel sowie Tempo und Richtung der Anschläge.
Und natürlich die Klänge selbst: Lernen Sie, mehrere unterschiedlich hohe Obertöne mit offenem und geschlossenem Rachen zu erzeugen. So werden starke Ungleichmäßigkeiten der Klangfarbe besonders deutlich.