Die huzulische Drymba
Philippe Dallais, Stefan Weber, Caroline Briner und Joël Liengme, 2002
Die Drymba der Huzulen in den ukrainischen Karpaten: eine ethnomusikologische Untersuchung
Französisches Original: http://www.ethnographiques.org/2002/Dallais,et-al.html
Englische Fassung: http://www.musethno.uzh.ch/de/publikationen/pdfs/04_2002_DALLAIS.pdf
Russische Übersetzung: Maultrommelzentrum Oberton Pro (vargan.spb.ru)
Auf der Suche nach Iwan und Maritschka
Dieses Forschungsprojekt entstand aus einer Fotografie, die Philippe Dallais im Frühjahr 1999 zufällig entdeckte. Er betrachtete Andrzej Polecs Buch „Distant Glens and Moors: The Hutsuls Today“, das im Institut für Ethnologie der Universität Neuchâtel stand. Das Bild eines Maultrommelspielers weckte sofort den Wunsch, mit dem Fotografen Kontakt aufzunehmen. Bald bestätigte Polec, dass in den ukrainischen Karpaten eine örtliche Tradition des Maultrommelbaus fortbestand, und lud uns begeistert ein, die Huzulen und einige Instrumentenbauer zu besuchen. Vielen Lesern mag dieses Foto wenig ungewöhnlich erscheinen. Für Menschen, die sich mit Geschichte und Entwicklung der Maultrommel beschäftigen, versprach die Reise jedoch die Bestätigung, dass huzulische Hirten in den Karpaten weiterhin Instrumente bauen und spielen, die sie Drymba nennen. Als Gastdozent zur Vorstellung der Maultrommel in einer Lehrveranstaltung von Professor F. Borel schlug Philippe vor, ein kleines Team zusammenzustellen und die Stellung der Drymba in der heutigen huzulischen Gesellschaft zu untersuchen. Mit großer Unterstützung des Ethnologischen Instituts und des Ethnografischen Museums von Neuchâtel begannen wir die Reise und die Erforschung der Region zu organisieren.
Bald bemerkten wir, dass neuere Unterlagen über die Huzulen fehlten und Quellen zur ukrainischen Geschichte nur begrenzt weiterhalfen. Schon die ethnische Bezeichnung schafft je nach Sprache Verwirrung: Houtsoules oder Goutzouls auf Französisch, Huculi auf Polnisch, Hutsuly auf Ukrainisch und Guzuly auf Russisch. Häufig werden sie auch Ruthenen oder Karpato-Ruthenen genannt, obwohl diese Oberbegriffe Huzulen, Bojken und Lemken umfassen. Die meisten Untersuchungen stammten von polnischen Wissenschaftlern aus der Zwischenkriegszeit, als die Region zeitweilig zur polnischen Provinz Galizien gehörte. Später gehörte das huzulische Gebiet, die Huzulschtschyna, zur Ukraine und teilweise zu Rumänien (Abb. 2). Während der Sowjetzeit durften Ausländer diesen abgelegenen ukrainischen Karpatenabschnitt nicht besuchen. Damals wie zur Zeit unserer Untersuchung wurden die Huzulen wegen ihrer geringen Zahl nicht als eigenständiges Volk anerkannt. Nach der ukrainischen Unabhängigkeit 1991 konnten sie jedoch ebenso wie andere Minderheiten ihre eigene Identität öffentlich geltend machen. Damit entstanden komplexe ethnonationale Fragen sowohl für die Huzulen als auch für Transkarpatien insgesamt.
Angesichts dieser geopolitischen Komplexität beschäftigten wir uns mit Geschichte und Kultur der Huzulen. Wir fragten, warum und wie die Drymba weiterhin in ihrer Kultur und Kunst vorkam, bei zahlreichen benachbarten Gruppen aber nicht nachgewiesen war. Wir wollten Spielweisen, Bauformen und Herstellung untersuchen, Zweifel an der Herkunft der huzulischen Drymba klären und herausfinden, ob sie ein ethnisches Symbol wie bei den Jakuten Sibiriens oder den Ainu Japans oder eine alte, vom Verschwinden bedrohte Erbtradition war. Unser Zielgebiet war genau der Ort, an dem Sergei Paradschanow 1964 nach einer Erzählung von Mychajlo Kozjubynskyj seinen berühmten Film „Schatten vergessener Ahnen“ gedreht hatte. In dieser an „Romeo und Julia“ erinnernden Karpatengeschichte zeigt er mit ethnografischer Genauigkeit Alltag und Rituale der huzulischen Gesellschaft des neunzehnten Jahrhunderts und erzählt unter Drymbaklängen von Iwan und Maritschka. Die geheimnisvolle Atmosphäre beflügelte unsere Vorstellungskraft; wir konnten die Abreise kaum erwarten.
Polec und seine huzulischen Freunde hatten bereits mit Instrumentenbauern und Musikern gesprochen. So konnten wir den kurzen Aufenthalt sorgfältig planen und möglichst keine Forschungsstunde verlieren. Vorgesehen waren zehn Tage vom neunzehnten bis neunundzwanzigsten Mai zweitausendeins. Zunächst wollten wir die ethnomusikalischen Traditionen in der Umgebung von Kosiv untersuchen. In Polen trafen wir Polec und fuhren zur polnisch-ukrainischen Grenze, die wir mit einem besonderen Bus überqueren mussten. Auf ukrainischer Seite brachte uns Polecs Helfer Uljan in einen Vorort von Lwiw, dem Zentrum der Westukraine, wo wir unseren Gastgeber Iwan trafen. Je näher wir den Karpaten kamen, desto schlechter wurden die Straßen. In der kleinen Stadt Kosiv stellte Iwan uns seine Frau vor: Maritschka. Diese erfreuliche Übereinstimmung war erst der Anfang einer Reise, die uns einen leider viel zu kurzen Einblick in die heutige Karpatenwelt gab.
Von Hirten zu nicht anerkannten ethnonationalen Minderheiten
Huzulen werden wie Bojken und Lemken zur karpatorusinischen Volksgruppe gezählt. Angehörige der galizischen und bukowinischen Rusinen sind überzeugt, dass sie die Karpaten bereits Anfang des sechsten Jahrhunderts besiedelten. Die Gruppe lebt vor allem im Grenzgebiet zwischen Polen, der Slowakei und der Ukraine. Gemeinschaften bestehen auch in Nachbarländern und den Vereinigten Staaten. Dort umfassen sie mehr als eine halbe Million Menschen, ungefähr die Hälfte der gesamten rusinischen Bevölkerung auf dem amerikanischen Kontinent.
Zwischen galizischen Rusinen, Lemken und Bojken bestehen sprachliche, kulturelle und historische Unterschiede. Ihre geringe Zahl, das Fehlen eines eigenen Staats und die geografische Abgeschiedenheit erklären, warum sie trotz moderner Kommunikation wenig bekannt sind. Geschichte, Herkunft und Identität bleiben umstritten. Es handelt sich weiterhin um bäuerliche Bevölkerungen ohne gemeinsame Sprache, eine verbindende starke politische Macht oder eine örtliche intellektuelle Schicht, die ihre nationale Eigenart umfassend formulieren könnte. Deshalb entwickelte sich das Nationalbewusstsein unter schwierigen Bedingungen. Eigene und übernommene Kultur lassen sich kaum voneinander trennen. Andererseits bewahrte die starke Isolation in den Karpaten viele Merkmale, während offenere Kulturen stärker durch Austausch und Assimilation verändert wurden.
Die Huzulschtschyna, das Land der Huzulen, zieht seit Langem Reisende, Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler an. Die als exotisch wahrgenommene Natur begünstigte Beschreibungen, in denen sich Beobachtung, Märchen und Erfindung mischten. Im 17. und 18. Jahrhundert entstand das charakteristische Bild: echte Hirten, getragen von der Liebe zu Bergen, Freiheit und Unabhängigkeit.
Transkarpatien und besonders das huzulische Gebiet hatten eine wechselvolle Geschichte, die die Bildung eines eigenen zentralisierten Staats verhinderte. Vom 9. bis zum 12. Jahrhundert gehörte die Huzulschtschyna zur Kiewer Rus, danach bis zum 18. Jahrhundert zum polnischen Herrschaftsbereich. Mit Polens Schwächung und den Gebietsabtrennungen 1772 kam sie unter die österreichisch-ungarische Monarchie. Nach dem Ersten Weltkrieg scheiterte ein Versuch eigener Staatlichkeit; während der Zwischenkriegszeit stand das Gebiet wieder unter polnischer Kontrolle. Mit dem Vormarsch der Roten Armee wurde es 1945 Teil der Sowjetunion und blieb dies bis zu deren Zerfall 1991. Danach gehörte die Huzulschtschyna zur unabhängigen Republik Ukraine.
Ein wichtiger Unterschied gegenüber Bojken und Lemken ist, dass die Huzulen wesentlich länger Hirten blieben. Bojken und Lemken entwickelten stärker den Ackerbau und gerieten dadurch wie Bauern der Nachbarländer unter die Leibeigenschaft. Die Huzulen entgingen diesem Schicksal weitgehend als wandernde Hirten. Geringere äußere Einflüsse halfen, Eigenheiten in Tänzen, Kleidung, Sprache und Ritualen zu erhalten und weiterzuentwickeln. Die ausgeprägte Metallbearbeitung wurde offenbar durch die sogenannten Opryschken, als „edle Räuber“ verstandene Gruppen, und durch Roma gefördert. Die Opryschken sind eine weitere Besonderheit der Region und treten in Liedern und Erzählungen auf. Es waren organisierte Banden unterschiedlicher Herkunft, die Adlige beraubten, Felder überfielen und sich in den Bergen versteckten. Manche wurden zu Sagengestalten.
Die starke Abgeschiedenheit dauerte ungefähr bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Industrialisierung und eine kräftige Ausweitung der Landwirtschaft führten dann zu sozialer und kultureller Wanderung. Ende des 19. Jahrhunderts verschlechterte sich die wirtschaftliche und landwirtschaftliche Lage jedoch stark. Hunger und zunehmende Kriminalität ließen die Auswanderung wachsen. Viele suchten in Nachbarländern Arbeit für sich und ihre Familien; andere gingen in die Vereinigten Staaten und bewahrten dort ihre kulturelle Eigenart. Die letzte große Veränderung der sozialen und kulturellen Landschaft folgte nach dem Zweiten Weltkrieg mit der sowjetischen Herrschaft.
Zur Zeit unserer Untersuchung war die huzulische Gesellschaft von großen politischen und sozialen Entwicklungen weiterhin nur begrenzt erfasst. Nach der Schließung von Kolchosen und Fabriken kehrten viele zur Viehwirtschaft zurück. Diese versprach keinen großen Wohlstand, bot einer durchschnittlichen Familie aber einen verlässlichen Lebensunterhalt. Auch Handwerke lebten wieder auf und lieferten Haupt- oder Zusatzeinkommen. Fast jede Familie fertigte in größerem oder kleinerem Umfang Souvenirs für Touristen in Kiew und für heimische Märkte. Die Einkommen blieben dennoch meist niedriger als im ukrainischen Durchschnitt. Die Karpaten galten in der Ukraine und zuvor in der ganzen Sowjetunion trotz schwacher touristischer Infrastruktur als wertvolles Erholungsgebiet. Die Huzulen könnten viele dort erhaltene Aspekte älterer ukrainischer Kultur vermitteln: Traditionen, Kunst und einen besonders reichen Erzählstoff. Rusinische Selbstidentifikation wurde jedoch nicht gefördert, sondern als Hindernis einer gesamtukrainischen nationalen Einheit betrachtet. Bei der Volkszählung 1989 gab es überhaupt keine Kategorie „Rusinen“.
Ein Teil der Huzulen, die sich in sowjetischer Zeit als Ukrainer bezeichneten, verstand sich inzwischen stärker als rusinisch. Huzulen, Bojken und Lemken konnten jedoch keine gemeinsame rusinische Identität bilden. Zugleich litten die Huzulen unter unzureichender Modernisierung und der wirtschaftlichen Stagnation in der Ukraine und befürchteten, durch Polens bevorstehenden Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft von Mitteleuropa abgeschnitten zu werden.
Besonders aktiv beschäftigten sich damals die Nachkommen rusinischer Auswanderer in den Vereinigten Staaten mit ihrer Herkunft. Ihre Kulturvereinigungen waren im Internet stark vertreten. In den Karpaten standen die Rusinen dagegen vor einer katastrophalen Wirtschaftslage, politischen Differenzen zwischen Gemeinschaften, besonders bei den Lemken, einer Verteilung über mehrere Staaten, fehlender Anerkennung als nationale Minderheit in der Ukraine und Assimilationspolitik in der Slowakei.
Drymba und Huzulen: Einblick in Technik, Musik und Gesellschaft
Vielleicht bewahrte gerade die Abgeschiedenheit in vielen Dörfern der Huzulschtschyna die Maultrommel, hier Drymba genannt, als vertrautes Instrument. Ihr Bau wurde bis ins 21. Jahrhundert fortgeführt, während die Tradition in vielen Nachbargebieten bereits im 19. Jahrhundert oder bald nach dem Ersten Weltkrieg abbrach. Ob man die Huzulen als Teil einer größeren slawischen Bevölkerung oder als kleine eigenständige Gruppe betrachtet: Sie bildeten eines der letzten Zentren, in denen diese Instrumente erhalten, gebaut und sogar weiterverbreitet wurden. Auch von Bojken und Lemken gibt es entsprechende Hinweise. Unsere Expedition galt jedoch den Huzulen. Ähnliche Traditionen sollen in der polnischen und slowakischen Tatra bestehen, deren Bevölkerung kulturelle Gemeinsamkeiten mit ihnen besitzt. Verlässliche Quellen nennen auch Rumänien als Nachbarland mit fortdauerndem Gebrauch und Bau. Bei den Huzulen stellten wir fest, dass das stärker russisch geprägte Wort „Wargan“ fast vollständig durch „Drymba“ verdrängt war. Die meisten Befragten hielten dieses für den traditionellen und richtigen Namen. Seine Herkunft ist unklar. Verwandte Begriffe finden sich in Belarus, der Ukraine, Südpolen, der Slowakei, Nordostungarn, Rumänien, Moldawien sowie in Teilen Serbiens und Kroatiens. Unterschiede erklären Forscher durch räumliche Entfernung, Sprachen und Dialekte. Ob „Drymba“ huzulischen Ursprungs oder übernommen ist, bleibt offen.
Eine verbreitete Erklärung stammt von Regina Plate. Sie hält „Drymba“ für ein slawisches Wort und verweist auf das ukrainische Verb „drymbaty“ im Sinne von „tanzen“. Nach ihrer Auffassung entstanden frühe Instrumente bei dörflichen oder wandernden Schmieden zum Verkauf auf Märkten. Unter Karpatenhirten findet man weiterhin Spieler. Auch bei den Gagausen, einer kleinen ethnischen Gruppe in Moldawien, ist die Drymba seit Jahrhunderten bekannt und begleitet große dörfliche Tänze, bei denen sich Männer im Kreis bewegen. Wertkow nennt die belarussische Drymba ein vergessenes Instrument, die ukrainische dagegen in der huzulischen Region weitverbreitet: Sie werde in örtlichen Schmieden gefertigt und in Ensembles mit unterschiedlich großen Instrumenten gespielt.
Leider müssen wir uns weitgehend auf diese beiden Quellen stützen. Alte und einzelne neuere Aufnahmen sind zwar auffindbar, über gesellschaftliche Stellung, Verbreitung, Herstellung und technische Kultur ist aber wenig bekannt. Über das Lernen und die Umstände privaten, unterhaltenden oder möglicherweise rituellen Spiels wissen wir fast nichts. Polecs Fotografien sind deshalb seltene, wertvolle Dokumente und wurden zum Ausgangspunkt unseres methodischen Vorgehens. Andere Fotos einer huzulischen Maultrommel konnten wir zunächst nicht finden. Immerhin zeigt Paradschanows Film kurz Kinder und Erwachsene beider Geschlechter beim Spielen. Hinzu kommt, dass das kleine Instrument während der Verwendung leicht übersehen wird. Nur eine gründliche Untersuchung kann die sehr lückenhafte Überlieferung erhellen. Wir wussten, dass unser kurzer Feldaufenthalt kein vollständiges, zuverlässig verallgemeinerbares Geschichtsbild erlaubte, und konzentrierten uns deshalb auf die Herstellung. Uns interessierte auch die Mehrdeutigkeit des Instruments: Die örtliche Bevölkerung betrachtet es sowohl als Musikinstrument als auch als gewöhnliches Kinderspielzeug. Dennoch behält es eine Symbolik, die weit zurückreichende Traditionen berühren kann. Wir suchten daher aktive Instrumentenbauer, die Bedeutung und anhaltende Verbundenheit erklären könnten. Zugleich hofften wir auf einen Beitrag zum Verständnis der Verbreitung in Osteuropa und der Beziehungen zwischen Berg- und Tiefland.
Zunächst untersuchten wir Instrumentenbauer, Spieler und gesellschaftliche Vorstellungen in Dörfern um Kosiv. Dort befindet sich die 1939 gegründete Hochschule für dekorative und angewandte Kunst, eine besonders wichtige Ausbildungsstätte für Jugendliche und für die Entwicklung huzulischen Handwerks. Im Metallbereich wird der Drymbabau nicht unterrichtet. Obwohl huzulische Holzschnitzerei seit dem 18. Jahrhundert einen guten Ruf besitzt, sahen wir auch keine hölzernen Drymbaetuis. Nur einmal zeigte uns ein Händler auf dem Markt in Kosiv einige Instrumente in einer mit huzulischen Motiven verzierten Holzschachtel.
Die gefundenen Instrumente gehören zu drei Typen: Zwei unterscheiden sich in der Rahmenform, der dritte besitzt zwei Zungen. Wir kauften Exemplare unmittelbar beim Instrumentenbauer (Abb. 3), bei einem privaten Besitzer und auf dem Markt in Kosiv (Abb. 4). Mit Iwans und Maritschkas Hilfe lernten wir drei noch tätige Hersteller kennen. Alle waren über 60; Nachfolger schienen zu fehlen. Vielleicht lebten weitere Kenner der Herstellungstechnik in den Bergen, doch sichere Hinweise erhielten wir nicht. Die Hersteller lassen sich in 4 Kategorien einteilen; mit Pawlo Danyliw aus der ukrainischen Diaspora in den USA ließe sich eine weitere ergänzen. Galayskaya erwähnt dörfliche und wandernde Schmiede, Wertkow örtliche Schmieden. Wir fanden ausschließlich ortsgebundene Produktion.
Mychajlo Tawyttschuk, einen Vertreter der ersten Kategorie „Schmied, Bauer und Musiker“, trafen wir beim Dorf Bukowez in seiner kleinen, gelegentlich betriebenen Schmiede. Er gilt als letzter Schmied, der die großen traditionellen Bohrer für die Holzbearbeitung herstellt. Außerdem baut er außerhalb der Region wenig bekannte huzulische Instrumente: Dudelsäcke, Sopilkas und Trembitas, die er selbst hervorragend spielt. Drymbas baut er nach eigener Aussage jedoch nicht besonders gern und konnte uns kein eigenes Exemplar zeigen.
Zur zweiten Kategorie, „Bauer und Schmied“, gehört Vasyl Shatruk. Er baut im Winter nach Abschluss der Feldarbeit und erzielt damit ein gutes Zusatzeinkommen. Er kennt die huzulische Tradition genau, hat sich stark spezialisiert und verwendet wiederverwertete Materialien für hochwertige Instrumente (Abb. 3). Die dritte Kategorie, „gelegentlicher Hersteller“, vertritt Nytschaj. Auf seiner sowjetischen Visitenkarte steht „Bioenergetiker“; tatsächlich ist er ein traditioneller huzulischer Heiler mit Wissen über Heilpflanzen und magische Praktiken. Eine traditionelle Drymba müsse klein und melodisch sein, erklärt er: Kleine Maße machten sie sicherer und für die Zähne angenehmer als große Instrumente. Er schreibt ihr außerdem übernatürliche Kräfte zu. Seine Instrumente haben einen runden Bügel, Schenkel mit quadratischem Querschnitt und sind etwas kleiner als Shatruks. Wir hörten sie, konnten aber keines erwerben. Die letzte Kategorie sind unbekannte Hersteller. Ihre auf dem Markt in Kosiv gefundenen Instrumente haben „lächelnde“, bogenförmige Rahmen (Abb. 4), unterschiedliche Größen und teilweise einen dünnen Kupferüberzug. Shatruk betrachtete eines sorgfältig und hielt den Hersteller für einen Amateur. Die Zunge sei mit unsicheren Hammerschlägen befestigt; die Hände hätten offenbar stark gezittert, wie bei Parkinson. Bei vielen berührte die Zunge den Rahmen. Der Belag deutete auf eine Herstellung vor vielen Jahren, möglicherweise in Kosiv. Die besondere Form könnte persönlicher Fantasie entspringen; eine andere Erklärung haben wir nicht. Es sind ungewöhnliche Funde aus einer isolierten Quelle. Später wurde jedes erworbene Modell im Ethnografischen Museum Neuchâtel ausgestellt.
Maultrommelforschung betrachtet meist das fertige Instrument und diskutiert praktische oder systematische Fragen. Wir möchten stärker den technischen und kulturellen Herstellungsprozess einbeziehen. Umso mehr freuten wir uns, als Shatruk eine vollständige Fertigung vorführte. Er lebt im Bergdorf Brustory, zwanzig Kilometer von Kosiv entfernt. Geboren wurde er 1937 im kleinen Dorf Ritschka. Dort lernte er Drymbas, Ringe und andere Metallgegenstände herzustellen. Mit zwölf unterrichtete ihn sein Vater. Auch sein älterer Bruder Dmytro baut Drymbas für den Markt (Abb. 1).
Als wir sein Haus erreichten, war Shatruk von der Heuernte für den Winter erschöpft. Dennoch holte er Werkzeug, Stahllineal, Stäbe und den Amboss aus einem alten Geschoss hervor (Abb. 5–6). Er arbeitete schnell, sorgfältig und liebevoll. Jeder Hammerschlag auf das Werkstück saß genau. Wortlos entstand ein kleines Kunstwerk, das nur wenige herstellen können. Seine Frau und sein Sohn Iwan beobachteten ebenso wie wir die Arbeit, hielten sich aber schweigend im Hintergrund, um ihn nicht abzulenken. Mit Fotos und Video hielten wir den gesamten Prozess fest, damit keine Einzelheit verloren ging.
Zunächst bearbeitete Shatruk den Eisenstab in einer Form, bis ein gleichmäßiger quadratischer beziehungsweise rautenförmiger Querschnitt mit scharfen Kanten entstand. Anschließend polierte er die vier Stäbe sorgfältig mit Schleifpapier (Abb. 7). Er trennte ein zwölf Zentimeter langes Stück ab und begann, es mit der Zange zu biegen (Abb. 8). Dieser Schritt ist entscheidend: Die richtigen Winkel müssen sehr schnell entstehen. Gerade deshalb ist die Bewegung schwer zu beobachten. Österreichische Hersteller verwenden dafür besondere Vorrichtungen. Shatruk verlässt sich dagegen auf Auge, Kraft und Geschick seiner Hände. Mit einer gewöhnlichen Zange entstehen verblüffend genaue Biegungen, wie man sie sonst von hochwertigen Maschinen erwartet. In Molln ähnelt der Rahmen eher einem Bügel; Wimmer verwendet dafür zwei Zangen, je eine in jeder Hand. Shatruk erzeugt dagegen einen Innenwinkel wie bei einem Bogen. Seine Drymba wird dadurch nicht vollkommen symmetrisch und D-förmig, obwohl diese Form als traditionell gilt. Wimmer und Shatruk benötigen dafür jeweils eine halbe Minute!
Mit sanften Schlägen eines leichten Hammers gibt Vasyl dem Rahmen die endgültige Form (Abb. 9 und 10). Ein Holzstück mit zwei eingeschlagenen Nägeln hilft, die Position der Zunge festzulegen. Die Aufnahmekerbe ist nicht gerade, sondern trapezförmig. So lässt sich die Neigung beim Vernieten noch korrigieren (Abb. 11). Die passende Zungenlänge bestimmt er nach Augenmaß (Abb. 12). Zu unserer Überraschung schneidet er die Zunge mit Meißel und Hammer aus einem gewöhnlichen Stahllineal (Abb. 13). Er richtet sie mit dem Hammer flach (Abb. 14) und bearbeitet sie mit einer Feile (Abb. 15). Wiederholt hält er inne, betrachtet Breite und Dicke und prüft die gewünschte Elastizität. Besonders wichtig ist die Form innerhalb der Rahmenschenkel: Sie bestimmt Elastizität, Akustik und die ästhetischen Eigenschaften, die einem Hersteller, einer Tradition oder Mode eigen sind. Auch dabei misst Shatruk nicht mit einem Lineal, sondern arbeitet nach Augenmaß. Schließlich sind Rahmen und Zunge fertig. Er setzt die Zunge in die vorbereitete trapezförmige Kerbe und befestigt sie mit vier genauen Hammerschlägen, während ein Finger sie in der Mitte hält (Abb. 16).
Zum Schluss biegt er das Zungenende im richtigen Winkel ab (Abb. 17) und formt eine Öse oder einen Haken. Dieser Schritt dauert am längsten: Er prüft wiederholt den Klang und verändert nach jedem Versuch die Zunge ein wenig, bis er zufrieden ist (Abb. 18). Dann schützt er das Instrument mit einer dünnen Ölschicht vor Korrosion. Insgesamt benötigte er etwa 30 Minuten für eine Drymba.
Die Beobachtung ließ uns sein Wissen schätzen und mehrere Schlüsse ziehen. Shatruk benötigt weder Schmiede noch Feuer. Damit unterscheidet sich seine Arbeit von der des 19. Jahrhunderts, als viele Hersteller aus Roheisen schmiedeten. Sein Verfahren ist außerdem einfacher und schneller als das in Molln: Statt aufwendiger, teurer Maschinen verwendet er vorhandene Materialien und einfache Werkzeuge.
Nach der Rückkehr schickte Philippe Dallais einige Drymbas an Instrumentenbauer und Fachleute. Der bekannte Ungar Zoltán Szilágyi bestätigte in einer persönlichen Mitteilung 2001, dass wenige Werkzeuge für ein ausgewogenes Instrument genügen. Für weitere Untersuchungen müssten wir erfahren, wann Shatruk erstmals Stahllineale verwendete, und mehr über die Technik seines Vaters wissen. Erst dann ließen sich heutige und ältere huzulische Instrumente gründlich vergleichen. Alte Stücke fanden wir leider weder in Museen noch bei älteren Menschen. Um die einzelnen Arbeitsschritte zu verstehen, mussten wir unsere Exemplare genauer betrachten und Herstellungsspuren lesen. Gerade bei Maultrommeln können sie technische Kultur und persönliche Arbeitsweise sichtbar machen.
Herkunft und genaue Bestimmung des Rohmaterials bleiben dennoch offen. Überraschenderweise ähneln Shatruks Instrumente weniger einem eindeutig huzulischen Sondertyp als bestimmten Mollner Formen, sowohl bei den Maßen als auch bei der Doppelzunge.
Auf den ersten Blick ließen sich seine Drymbas kleinen österreichischen oder älteren deutschen Instrumenten zuordnen. Solche Formen waren jedoch über mehrere Jahrhunderte in ganz Europa verbreitet. Das Fehlen älterer Karpatenstücke könnte auch mit dem „Eisernen Vorhang“ zusammenhängen, der die Ukraine von Westeuropa trennte. Falls äußere Einflüsse vorlagen, dürften sie daher vor dem Zweiten Weltkrieg erfolgt sein. Seit dem Lernen beim Vater entwickelte Shatruk seinen eigenen Stil. Eine gemeinsame Eigenschaft ist die geringe Größe huzulischer Drymbas. Vielleicht bewahrt sich darin ein älteres örtliches Herstellungsmerkmal, bedingt durch den ständigen Mangel an gutem Eisen in den Bergen.
Wertkow beschreibt die Instrumente als nicht selten. Wichtig bleibt aber die Frage, ob sie wirklich von Huzulen hergestellt oder aus anderen Ländern eingeführt wurden. Gjermund Kolltveits Typologie beschreibt einen Übergang von mittelalterlichen Instrumenten mit kleinem Bügel und langen Schenkeln zu größeren offenen Bügeln und kürzeren Schenkeln. Folgt man ihr, könnten heutige huzulische Formen stark von österreichischen Maultrommeln beeinflusst sein, die Ende des 18. und im 19. Jahrhundert nach Polen, in die Ukraine und nach Russland exportiert wurden.
Solche Instrumente oder Nachbildungen erreichten zweifellos die Huzulschtschyna mit ihrer eigenen Bautradition. Örtliche Schmiede könnten die neue Form übernommen und verkleinert haben, um seltenes oder teures Eisen zu sparen oder günstigen Modellen zu folgen. Kleine Instrumente lassen sich auch leichter mitnehmen; vielleicht passte ihr hoher Klang besonders gut zur örtlichen Musik. Händler auf großen saisonalen Märkten oder auswärts arbeitende und handelnde Bergbewohner könnten sie mitgebracht haben. Den genauen Weg kennen wir nicht. Offensichtlich ist aber, dass Hirtenkulturen im Gebirge die Maultrommel besonders schätzten. Bei den Huzulen hielten Spiel und Herstellung länger an als im Tiefland. Im Sommer 2001 identifizierten Gjermund Kolltveit und Philippe Dallais zwei sehr ähnliche, vom 13. bis zum frühen 14. Jahrhundert datierte Instrumente anhand kleiner Marken am Bügel. Eines lag auf anderthalb Kilometern Höhe wenige Meter von einer kleinen Siedlung in den Schweizer Alpen, das andere an einer mittelalterlichen Handelsstraße in Süddeutschland. Bergbewohner könnten also schon damals Abnehmer mittelalterlicher Maultrommelhändler gewesen sein. Verkaufte Instrumente konnten in abgelegenen Regionen als Vorlagen dienen. Gute Zungen herzustellen, dürfte jedoch schwierig gewesen sein. Shatruk hat dieses Problem gelöst.
Besonders interessant ist Shatruks Doppel-Drymba (Abb. 3). Zweizüngige Maultrommeln sind wenig erforscht; ihr Produktionsbeginn in Europa ist unbekannt. Er könnte im 16. oder 17. Jahrhundert, vielleicht früher liegen. Der erste schriftliche Hinweis stammt möglicherweise um 1640 von Pierre Trichet: Das Instrument werde wesentlich komplizierter, wenn sich seine Zungen vermehrten und zwei oder drei vorhanden seien. Archäologische Funde sind selten. Unter mehr als siebenhundert Stücken in Kolltveits europäischer Datenbank gab es nur zwei Beispiele. Eines stammt aus Schloss Hallwil in der Schweiz (Abb. 19), das andere wurde 1976 in Molln gegenüber Wimmers heutigem Haus gefunden. Beide werden ungefähr ins 18.–19. Jahrhundert datiert und ähneln Shatruks Instrumenten in Größe, Rahmen und Zungenform. Auch Anton Bruhin war von diesen Übereinstimmungen überrascht. Englische zweizüngige Instrumente des 19. Jahrhunderts mit parallel zum Mittelschenkel verlaufenden Zungen gehören nicht zu dieser Kategorie. Auch aus der Kultur Sibiriens ist eine jakutische Form mit zwei parallelen Zungen bekannt. Hinzu kommt eine aus flachem Metall gefertigte Maultrommel mit geraden Zungen und beidseitig geschlossenem Rahmen, beschriftet „Trade Mark Austria PATN A 168/76, ATN 18836-/M“. Ein Exemplar wurde 1981 auf einer Straße in Neuchâtel gefunden und der Firma Schwarz in Molln zugeordnet. Dafür sollte eine weitere Kategorie mehrzüngiger Instrumente unterschieden werden, die zwar nach demselben Prinzip, aber mit parallelen Zungen aufgebaut sind. Zoltán Szilágyi baut ebenfalls Zweizüngige, die er „Zwillinge“ nennt. Warum mehr Material und Arbeit investieren? Häufig unterscheiden sich Zungenlänge oder Biegewinkel leicht. Dadurch klingen die Zungen unterschiedlich, beim gleichzeitigen Anschlag aber konsonant, und erweitern die klanglichen Möglichkeiten.
Anscheinend erwähnt kein früherer Autor eine Doppel-Drymba bei den Huzulen. Shatruk erklärte, Volksmelodien würden sowohl auf einfachen als auch auf doppelten Instrumenten gespielt, doch letztere seien weniger beliebt. Er hat die Doppel-Drymba nicht aus persönlichem Erfindungsdrang geschaffen, sondern vom Vater übernommen. Philippe Dallais meint, ihre technischen und kulturellen Merkmale könnten viel über österreichische Einflüsse auf die huzulische Bautradition verraten.
Bei unserem erneuten Besuch ein halbes Jahr später, im Mai, hatte Shatruk ungefähr 250 dünnrahmige, höher klingende Drymbas, 100 mit dickeren Rahmen und etwa 20 zweizüngige hergestellt. Nach eigener Angabe baut er höchstens 500 Stück im Jahr. Auch wenn er den Verdienst gering nennt, weist diese Menge auf ein Einkommen hin: Vier Drymbas kosten ungefähr so viel wie der Lohn einer durchschnittlichen Kellnerin in einer Bar in Kolomyja; eine doppelte kostet zweieinhalbmal so viel wie eine einfache. Die ukrainische Wirtschaftslage erlaubte damals kaum den früher üblichen Import, der große Städte versorgt hatte. Für von Selbstversorgung lebende Huzulen waren Importwaren besonders teuer. Das könnte örtliche Produktion begünstigt haben. Interessant ist auch ein Handelsabkommen, nach dem österreichische Maultrommeln in der Zwischenkriegszeit nicht nach Polen exportiert werden durften. Da das huzulische Gebiet überwiegend zur damaligen polnischen Provinz Galizien gehörte, könnte daraus eine geschützte Marktstellung der Drymba entstanden sein. Shatruks Vater gehörte wohl zu dieser Generation, erlernte das Handwerk und gab es weiter. Als seltene und gefragte Ware könnte die Drymba vielen Einkommen bieten; offenbar geschieht das dennoch kaum. Selbst Shatruk hat trotz seiner großen Produktion kein gut organisiertes Vertriebsnetz. Er verkauft persönlich, über vertraute Bekannte, örtliche Gemeinschaften und Stadtmärkte sowie bei religiösen Zusammenkünften, meist in Kosmatsch, Werchowyna, Kolomyja und sogar Lwiw. Herstellung und Verkauf sind für ihn deshalb ein Hobby und zugleich eine wichtige Einnahmequelle.
Huzulische Drymbas sind in westlichen Privatsammlungen und Museen selten. Gründe sind die Abgeschlossenheit, die Entfernung zu großen Städten und der „Eiserne Vorhang“. Obwohl westliche Typen den Bau beeinflussten, konnten von 1945 bis zur ukrainischen Unabhängigkeit 1991 hauptsächlich Liebhaber huzulischer Kultur aus der Sowjetunion solche Stücke erwerben. Sie gelangten zunächst nach Kiew und dann in einzelne russische Städte; der Kauf setzte Bekanntschaften oder Glück voraus. Ein Exemplar findet sich sogar im Katalog der japanischen Koizumi-Fumio-Gedächtnissammlung. Wahrscheinlich kam es über russische oder ukrainische Kontakte als Beispiel fremder Kultur nach Japan. Ein weiteres, bis zur Arbeit an diesem Artikel nicht als „Drymba“ bezeichnetes Instrument erhielt Gordon Frazier 1991 beim Internationalen Maultrommelkongress in Jakutsk im Tausch von Waleri Brunzew. Die Ukraine ist groß und kennt weitere Bautraditionen, nach Dournon-Taurelle und Wright vor allem geschmiedete Formen. Über deren Einfluss oder fehlenden Einfluss auf die huzulische Drymba zu spekulieren, wäre jedoch verfrüht.
Die Zukunft der traditionellen Herstellung erschien bedroht. Jüngere Nachfolger waren nicht erkennbar und orientierten sich eher an Modernem. Sollten sie das Handwerk aufnehmen, könnten sie Form und Größe verändern, etwa unter dem Einfluss von Zoltán Szilágyis Dorombs. Dann ließe sich die nächste Generation vielleicht nicht mehr als klassisches huzulisches Instrument bezeichnen. Traditionelle Formen können allerdings lange bestehen. Auf Sardinien werden noch Mollner Instrumente schwarz gefärbt, um das früher verwendete Roheisen nachzuahmen, und neben örtlichen geschmiedeten Modellen verkauft. Die Drymbamusik eingehend zu beurteilen, wäre ohne gut dokumentierte alte und neue Aufnahmen verfrüht. Solche Aufnahmen fehlen uns, könnten aber in Archiven von Kiew, Lwiw und anderen Städten liegen. Wir beobachteten vor allem Anschläge mit dem Zeigefinger zum Gesicht hin sowie Improvisationen und huzulische Motive. Die Suche nach mündlicher Überlieferung enttäuschte: Nur wenige wussten überhaupt von dem Instrument, geschweige denn Genaueres. Es bleibt die Hoffnung, dass es bekannter wird und sich in der Huzulschtschyna wieder verbreitet.
Bewahrung, Überleben oder fortschreitendes Verschwinden der huzulischen Drymba?
Unser übergeordnetes Ziel war, die Drymba umfassend zu betrachten und ihre Zugehörigkeit zur huzulischen Kultur zu prüfen. In Warschau empfing uns Polec zu Hause und berichtete ausführlich über die Entwicklung seit der ukrainischen Unabhängigkeit 1991. Nach seiner Einschätzung traf die Wirtschaftskrise die Region ohne staatliche Entwicklungsprogramme besonders hart. Vielen fehlten die Mittel, kulturelle Werte zu pflegen. Echte huzulische Ensembles seien schwer zu finden; Musiker verwendeten moderne Instrumente ohne besonderen Anspruch auf Ursprünglichkeit. Frei verkäufliche Drymbas seien selten. Sein eigenes Instrument hatte er auf dem Markt in Kosiv erworben, vom gleichen Typ wie unsere Stücke (Abb. 4). Er erinnerte sich an einen huzulischen Freund, der abends im Garten Naturlaute nachahmte. Polec betonte dabei die geheimnisvolle Seite des Instruments.
Schon am ersten Tag in Kosiv begannen wir zu arbeiten. Iwan brachte uns in sein Heimatdorf Brustory, wo Vasyl Shatruk lebt. Gegen zehn Uhr hielten wir an einem kleinen Laden. Vier ungefähr zwanzigjährige Männer luden uns bald zum Wodka ein. Joël zeigte einen mitgebrachten Doromb von Szilágyi und fragte, was das sei. Überraschenderweise erkannte keiner das Instrument oder konnte spielen. Im Gespräch fiel auf, dass alle erhebliche Zahnprobleme hatten: Zähne fehlten oder waren aus Gold. Das erleichtert Maultrommelspiel sicher nicht. Die erste Begegnung mit der jungen Generation war ernüchternd: Menschen aus demselben kleinen Dorf wie ein Drymbabauer kannten sein Instrument nicht. Ein älterer Mann versicherte, er könne spielen, sei mit seiner Zahnprothese aber nicht mehr dazu in der Lage. Auch unser 45-jähriger Gastgeber Iwan kannte Shatruk, hatte jedoch nie spielen gelernt. Das Instrument schien mehrere Generationen übersprungen zu haben. Die spätere Begegnung mit Shatruk und seiner Doppel-Drymba stand dazu in starkem Gegensatz.
Auf der Rückfahrt überredete Iwan einen Freund, Trembita zu spielen, ein auffälliges gerades Horn mit durchdringendem Klang. Obwohl ähnliche Instrumente in vielen Karpatengebieten vorkommen, betrachten die Huzulen die Trembita als eigene Erfindung. Früher verständigten sich Hirten über ihre weithin hörbaren Töne, wenn andere Kommunikationsmittel fehlten. Sie war auch bei Ritualen, etwa Beerdigungen, wichtig. Ein weiterer Mann um die fünfzig konnte keine Drymba spielen. Seine vom Hornklang angelockte Mutter erzählte jedoch, sie habe als junge Frau gespielt, inzwischen aber bestimmt alles vergessen. Sie bat um ein Instrument und spielte ein wenig. Mit Goldzähnen sei es schwierig, sagte sie. Wir konnten trotzdem feststellen, dass sie das Instrument einst gut beherrscht hatte.
Am nächsten Tag besuchten wir die 1882 gegründete Schule in Jaseniw im Bezirk Werchowyna, die viele kulturelle Traditionen bewahrte. Für uns hatten junge Schüler ein Volksmusikkonzert vorbereitet, auch mit Drymba. Während sie Instrumente stimmten und huzulische Trachten anzogen, erzählte der Direktor von der Schule. Der kleine Aufführungsraum diente offenbar zugleich als Ausstellung für Schülerarbeiten. Das Konzert begann mit Trembita; nach und nach kamen Geigen, Sopilka, Akkordeon, Zymbal und große Trommel hinzu. Nach einer Pause traten sieben Mädchen und ein junger Mann auf verschiedenen Instrumenten einschließlich Drymbas auf. Sie wurden von Mychajlo Nytschaj geleitet, dem auf Polecs Buchumschlag abgebildeten Volksheiler, der sich auch mit schwarzer und weißer Magie beschäftigt. Er gibt gelegentlich Drymbaunterricht, sonst übernimmt dies ein anderer Lehrer. Später erfuhren wir, dass Nytschaj auch selbst gelegentlich Instrumente baut.
Nytschaj stellte die Musiker im Halbkreis auf und gab jedem ein Instrument. Dann nahm er selbst eine Drymba, schlug mit dem Fuß den Takt und spielte eine harmonische Melodie, zu der die Kinder gemeinsam sangen. Nach etwa zehn Minuten beendete er die Vorführung, sammelte die Instrumente ein und steckte sie ein. Für uns blieb ein kurzes Gespräch. Er erkannte Shatruks Drymba sofort. Nachdem er einen großen Doromb von Szilágyi ausprobiert hatte, erklärte er aufrichtig die huzulischen Instrumente für die besten der Welt: klein, hoch klingend und schonend für die Zähne. Er betonte magische und therapeutische Fähigkeiten und wiederholte, was er Berdnyk 1999 gesagt hatte: „In der Drymbamusik liegt Zauber. Ihre Klänge können Seele und Körper heilen, bezaubern und wilde Tiere zähmen. Sie sind wie musikalische Beschwörungen.“ Auf die Bitte, seine Werkstatt zu besuchen, antwortete er, es sei zu früh; wir sollten in zwei Monaten wiederkommen. Die Forschung nahm plötzlich die Form einer Initiation an. Wir mussten wiederkehren, um mehr über diese unerwarteten schamanischen Praktiken zu erfahren. Zum Abschied boten wir eine vietnamesische Lamellenmaultrommel Dan Moi als Geschenk an. Er lehnte höflich ab, erkannte aber die guten akustischen Eigenschaften dieses kleinen, ohne Zahnkontakt gespielten Instruments an.
In Werchowyna suchten wir auf dem Markt erneut erfolglos nach verkäuflichen Drymbas. Eine ältere Tabakblatthändlerin erzählte jedoch, dass sie spielen könne. Sie spielte auf unserem Instrument geschickt eine Weile, wischte es mit dem Ärmel ab, wie erfahrene Spieler es tun, und gab es zurück: Sie habe schon lange nicht mehr gespielt.
Unser nächstes Ziel war Bukowez. Vom Auto gingen wir zwei Kilometer zum Haus von Mychajlo Tawyttschuk, dem dritten besuchten Instrumentenbauer und Vertreter der Kategorie „Schmied, Bauer und Musiker“. Er renovierte gerade, unterbrach aber sofort, begrüßte uns herzlich und wechselte von Arbeitskleidung in huzulische Tracht. Er besaß große Spielerfahrung und war mit seiner Familie in der Ukraine und im Ausland aufgetreten. Er konnte nicht nur Drymbas spielen und bauen, sondern auch traditionelle Trembitas aus vom Blitz getroffenem Holz herstellen. Er spielte für uns. Im anschließenden Gespräch hörten wir plötzlich ferne Drymbaklänge wie von einer Gruppe vor dem Fenster. Es war aber nur ein altes Radio. Wie erfreulich, dass ein Sender aus der Region Iwano-Frankiwsk Drymbamusik ausstrahlte, während wir sie im Alltag kaum fanden.
Am folgenden Tag brachte uns Iwan nach Kolomyja, einem anerkannten Zentrum huzulischer Kultur mit vielen Folkloreensembles. Wir besuchten das 1943 von ukrainischen Intellektuellen gegründete Museum für huzulische Volkskunst mit Beständen aus dem 19.–20. Jahrhundert. Vieles war von ukrainischen Sammlern gestiftet, doch auch heutiges Handwerk wurde gezeigt. Besonders reich waren Textilien mit farbigen geometrischen Stickereien. Nur zwei Drymbas, ähnlich Shatruks Modellen, waren ausgestellt. Alte Stücke oder Varianten, die die Geschichte hätten erhellen können, fehlten. In der Nähe liegt das Museum „Pysanka“ für bemalte Ostereier. Ein riesiges verziertes Ei bildete den Höhepunkt und erschien uns eines großen Weltmuseums würdig. Die junge Mitarbeiterin war von unseren Drymbas fasziniert und hielt sie für exotisch. Dass sie nur wenige Dutzend Kilometer entfernt in den Bergen entstanden waren, überraschte sie. Wir prüften auch die Reaktion des Publikums: Ein Begleiter spielte auf der Straße, während wir Passanten beobachteten. Einige blieben interessiert stehen. Einer wollte kaufen, fand Shatruks üblichen Preis aber zu hoch. Örtliche Drymbas waren also für gewöhnliche Bewohner Kolomyjas teuer. Zugleich weckte der Klang bei vielen deutliches Interesse. Die Methode erwies sich als brauchbar. Auf Bergmärkten und in Kolomyja ließen sich weitere Spieler aufnehmen und ihre Melodien für allgemeinere Aussagen vergleichen.
Unerwartet konnten wir einige Stunden an einem Gymnasium in Kosiv verbringen. Die festlich gekleideten Kinder hielten sich während des Schultags auf dem Spielplatz auf und sprachen frei mit uns. Niemand kannte die Drymba, doch alle wollten spielen lernen. Wir kamen diesem Wunsch nach; manche waren geradezu fieberhaft begeistert. Später lud der Werklehrer mit seinem breiten huzulischen Gürtel uns in die Schulwerkstatt ein. Dort sahen wir, wie die traditionelle Holzbearbeitung gelehrt wird, vor allem zur Verzierung von Kästen und Schatullen. Die Kinder schauten weiter durch die Fenster. Dann holte der Lehrer seine eigene Drymba hervor, vom Typ in Abb. 4, und spielte melodische, rhythmische Stücke. Wieder zeigte sich: Vor 40–50 Jahren Geborene kennen das Instrument, viele beherrschen es; Kindern und Jugendlichen fehlt dieses Wissen. Vielleicht kündigt sich damit ein Verlust von Spiel- und Herstellungstradition an. Offenbar hatte eine ganze Generation kaum Zugang, eine andere Erklärung fanden wir nicht. Es gibt jedoch Hoffnungszeichen. Im Museum von Kolomyja und im kleinen Museum von Mychajlo Dideschyn in Kosmatsch gehört die Drymba selbstverständlich zur Darstellung der traditionellen Gesellschaft. Häufigere Radiosendungen machen ihren Klang vielen zugänglich. Dennoch scheinen Berg- und Tieflandbewohner sie unterschiedlich wahrzunehmen. Im Tiefland ist sie eher ein exotisches oder authentisches Relikt der Vergangenheit. Ähnlich war Paradschanows Film unter unseren Gesprächspartnern in den Bergen wenig bekannt. Einige bedauerten alte Ikonen, die er ihnen für immer entzogen habe. Außerhalb der Region fand seine genaue Rekonstruktion einer idealen huzulischen Gesellschaft mehr Aufmerksamkeit. Ukrainer verwenden die Drymba als Volksinstrument sehr unterschiedlich; wir fanden etwa die Aufnahme eines Humoristen, der zwischen Witzen darauf spielt. Bei den Huzulen begegnet sie vor allem auf Folklorefestivals und Konzerten und wirkt so an Bewahrung und Wiederbelebung heutiger Identität mit.
Diskussion
Ein auffälliges Erkennungsmerkmal der Huzulen ist heute das farbig bestickte Hemd mit seiner besonderen Kragenform. Ältere Menschen tragen es traditionell zu religiösen Festen, Hochzeiten, Geburtstagen und Beerdigungen. Als wir in Kosiv einen zwölfjährigen Jungen fragten, ob er Huzule sei, antwortete er: „Wir sind alle Huzulen. Aber die richtigen Huzulen leben nur in den Bergen.“ Die traditionelle Lebensweise im Gebirge ist also neben Kleidung und eigenständiger Kunst ein ebenso wichtiges Unterscheidungsmerkmal. Unsere Gastgeberin Maritschka, Iwans Frau, sieht in Kunst und Kultur die wichtigste Kraft für den Fortbestand ihres Volkes. Einen großen Beitrag zu deren Erhaltung leiste die Kunstgewerbeschule in Kosiv. Nachkommen der in die USA ausgewanderten Karpatenruthenen neigen zwar dazu, ihre Heimat und das dortige Leben ihrer Verwandten zu idealisieren. Doch zur Zeit unserer Untersuchung stellte sich die entscheidende Frage, ob die Huzulen als Volk fortbestehen oder allmählich in anderen Bevölkerungsgruppen aufgehen und den Reichtum ihrer Kultur verlieren würden. Fachleute erwarteten für die folgenden zehn Jahre größere Veränderungen als im gesamten 20. Jahrhundert.
Für ein genaueres Bild der huzulischen Gesellschaft und ihrer Drymbas wären vertiefte Analysen und weitere Feldforschungen nötig. Hinzu käme die Auswertung von Fotografien, Tonaufnahmen und schriftlichen Quellen, die vermutlich in Wien, Krakau, Lwiw, Kyjiw und Sankt Petersburg liegen. Auch huzulische Gemeinschaften in Nachbarländern wie Rumänien müssten untersucht werden. Möglicherweise hat sich die Drymba zudem bei anderen karpatenruthenischen Gruppen in kleinen Bergdörfern oder Städten erhalten. Hilfreich wäre eine eingehende Untersuchung der Geschichte der Huzulen im 19. Jahrhundert, in der Zeit polnischer Herrschaft und während der Sowjetzeit. Spuren der Drymba sollte man auch bei den Bevölkerungen des Tieflands suchen, in das sie sich durchaus, vielleicht in veränderter Form, verbreitet haben könnte.
Ein Hauptproblem bleibt der Mangel an alten Instrumenten für vergleichende Untersuchungen. Hier könnten vor allem archäologische Funde klären, wann die Drymba erstmals in den Karpaten auftauchte und welche Veränderungen sie bis zum 20. Jahrhundert durchlief. Trotz vieler fehlender Angaben erlauben unsere Beobachtungen bereits einen ersten Entwurf ihrer Entstehungsgeschichte bei den Huzulen. Zum damaligen Forschungsstand war noch ungeklärt, ob es Maultrommeln schon in der Eisenzeit oder der Antike gab. Die ältesten sicher datierten europäischen Funde stammten aus dem 12. Jahrhundert und waren von Skandinavien bis Frankreich verbreitet. Wann und wie das Instrument nach Europa kam oder ob es auf eine örtliche Tradition der Antike zurückging, ließ sich nicht sicher erklären. Im Osten wurde in Moldau eine geschmiedete Maultrommel aus dem 9.–10. Jahrhundert gefunden; frühere Datierungen betrafen Baschkortostan im 8.–9. Jahrhundert, weitere Japan im 10. Jahrhundert. Kolltveit und Dallais konnten zeigen, dass Maultrommeln bereits im 13. Jahrhundert über weite Gebiete verbreitet waren und auch Bergregionen erreichten. Damals könnten sie zu den Vorfahren der Huzulen gelangt sein. Ein entsprechend alter Fund in den Karpaten könnte helfen, eine Herkunft aus Osten oder Westen zu bestimmen.
Die von uns untersuchten Drymbas zeigen deutlich den Einfluss westlicher, vermutlich österreichischer Instrumente. In Österreich bestand seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts eine Zunft der Maultrommelmacher. Historische Hinweise, die geringe Größe und besonders Shatruks zweizüngige Modelle lassen vermuten, dass dieser Einfluss Ende des 18. Jahrhunderts mit der Herstellungsweise begann: Biegen statt Schmieden. Über ältere karpatische Maultrommeln ist jedoch nichts bekannt. Deshalb bleibt offen, ob eine bestehende Tradition technisch und kulturell verändert wurde oder ob die Herstellung erst nach dem Vorbild österreichischer Maultrommeln einsetzte. Ebenso fehlen Kenntnisse über die Metallverarbeitung in den Karpaten im Mittelalter und danach sowie über die von Sárosi erwähnte Rolle der Roma bei Herstellung und Verbreitung. Sicher wissen wir nur, dass huzulische Hirten, ihre Frauen und Kinder schon vor zweihundert Jahren Drymba spielten. Die Geschichte des Instruments weist also weit mehr Lücken auf, als uns lieb wäre. Nur gründliche, eingehende Forschung kann sie schließen.
Eine weitere Frage beschäftigt viele Freunde huzulischer Kunst und Kultur: Wird die Drymba fortbestehen oder allmählich verschwinden? Wie lange werden Menschen wie Shatruk solche Instrumente noch herstellen? Werden sie ihr Wissen an ihre Kinder weitergeben? Der Absatzmarkt in den Bergen drohte damals zu verschwinden. Durch Ausfuhr könnte die Drymba jedoch neue Nachfrage und eine Wiederbelebung erfahren. Für einen großen Teil der jüngeren Huzulen war sie weder als Gegenstand noch als Bild präsent; viele Menschen über vierzig erinnerten sich dagegen an sie. Besonders unerwartet waren Drymbaklänge im Radio. Anfang der 1950er Jahre förderte die ukrainische Regierung Folkloreensembles. Dies scheint Musiker und Freunde der Volksmusik stärker auf die Drymba aufmerksam gemacht zu haben. Es dürfte zahlreiche Aufnahmen geben. Diese Musiker sind vermutlich Shatruks beste Kunden, auch wenn sie wohl meist nicht unmittelbar bei ihm kaufen. Künftige Forschung sollte alle noch aktiven Spieler aufnehmen und erfragen, wie sie das Instrument entdeckt und das Spiel erlernt haben.
Zur Drymba gehört auch ein Blick auf die Trembita, ein eindrucksvolles Symbol des Huzulenlandes. Sie ist nicht weniger bekannt als das Schweizer Alphorn, für das Ende des 20. Jahrhunderts neues Interesse erwachte. Damals gab es bereits ein weiterentwickeltes Horn aus Kunststoff, das sich dank Teleskopbauweise platzsparend verstauen ließ. Eine Trembita kostet allerdings erheblich mehr als eine Drymba, die schon nicht für jeden erschwinglich ist. Ausländische Besucher können sie deshalb eher erwerben als Einheimische. Auch während der Sowjetzeit bewahrten Historiker und Kulturforscher Drymba und Trembita sorgfältig als ukrainische Volksinstrumente. So erschienen beide 1989 auf Briefmarken einer Serie mit Musikinstrumenten der verschiedenen Völker der UdSSR.
Zum Abschluss erlebten wir, wie rasch sich im Huzulenland überlieferte Traditionen und Gegenwart miteinander verbinden. Bei einer Hochzeit auf einem abgelegenen Bauernhof nahe Kosmatsch begann ein traditionelles Quartett für jeden eintreffenden Gast zu spielen und sammelte Münzen im Hackbrett. Unter einem Vordach standen zugleich zwei junge Männer mit Verstärkern und Synthesizern bereit, um kräftig aufzuspielen. Irgendwann spielten beide Gruppen gleichzeitig; es entstand eine seltsame Klangmischung. Verglichen mit den polnischen Goralen blieb das Huzulenland dennoch von der westlichen Welt abgeschnitten. Die Goralen hatten schon Anfang der 1990er Jahre gemeinsam mit der Londoner Reggaeband Twinkle Brothers eine CD aufgenommen. Wie Polec scherzhaft sagt: In den Bergen ist alles möglich. Sollte die Drymba vor einer Wiederbelebung stehen, könnten sich ihre Verwendung und ihre Gestalt noch weiter verändern.
Französisches Original: http://www.ethnographiques.org/2002/Dallais,et-al.html
Englische Fassung: http://www.musethno.uzh.ch/de/publikationen/pdfs/04_2002_DALLAIS.pdf
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